Flexibler Arbeitsbereich – Fragen und Antworten mit Tony Freeth

Anmerkung der Redaktion: Das folgende Interview erschien ursprünglich in GCUC UK und wird hier mit Genehmigung abgedruckt.

Tony Freeth hat die Entwicklungen im Büroimmobilienmarkt hautnah miterlebt. Als Mitbegründer von Phoenix Broadband und Bedenker von Medusa, einem Produkt, das sich auf die Infrastruktur von Gebäuden richtet, spielt Freeth seit Ende der 90er Jahre eine Vorreiterrolle im Bereich Bandbreitenmanagement und Workspace-Wifi-Lösungen.

Vor Kurzem wurde Medusa vom globalen Immobilientechnologieunternehmen Yardi übernommen. Freeth, der an der ersten Global Coworking Unconference Conference (GCUC) 2012 in Austin, Texas, teilgenommen hat, hat nun bei Yardi die Rolle des Director of Coworking Europe übernommen. Mit zwei Jahrzehnten Erfahrung bietet Freeth eine besondere und wertvolle Perspektive auf die boomende Workspace-Branche.

Wir sprachen mit Freeth über die Entwicklung der Branche, die Übernahme von Medusa durch Yardi und wie sich im gewerblichen Immobiliengeschäft das Coworking als Anlageklasse etabliert hat. Hier folgen die Höhepunkte unseres Gesprächs.

Wie lautet Ihre Coworking-Geschichte? Wie wurden Sie in die damals kleine Bewegung eingeführt?

Tony Freeth: Im Jahr 2010 sprach ich mit jemandem von Steelcase, der mir empfahl, zu Coworking Europe zu gehen. Dort stieß ich auf einige Leute, die eine ganz andere Vorstellung davon hatten, wie Menschen in einem Raum arbeiten könnten, ausgehend von Zusammenarbeit und Gemeinschaft.

Viele Jahre lang haben wir versucht, diese Botschaft an unsere konventionellen Kunden zu verkaufen, jedoch lange Zeit war ihre Antwort: „Nein, das ist nicht, wie wir es tun. Jeder will eine Tür.“ Wir haben ihnen gesagt, wenn man junge Leute hinter Türen setzt, ist es, als würde man einer Pflanze das Licht entziehen – sie verwelken einfach.

Bei Coworking Europe traf ich auf [GCUC-Organisatorin] Liz Elamund und sie lud mich auf die GCUC nach Austin ein. Es wurde deutlich, dass das Coworking in den USA besonders pulsierend und außergewöhnlich gut organisiert zu sein scheint.

Ich kann mir vorstellen, dass Ihre Kunden jetzt anders über gemeinsame Arbeitsbereiche denken.

Wir haben den Trend fortgesetzt und weiterhin versucht, unsere Kunden davon zu überzeugen, sich verschiedene Modelle anzusehen. Wir ermutigen sie, sich zu überlegen, wie sie Coworking zu einem Teil ihres Mixes machen und für die Entwicklung ihres Kundenstamms nutzen können. Sie brauchen niemanden an einen Arbeitsplatz festzunageln – Sie können Arbeitnehmer sich frei bewegen lassen und eine viel bessere Work-Life-Balance erreichen.

Unsere führenden Kunden haben das recht schnell begriffen und gleich damit angefangen, aber einige mit traditionelleren Büromodellen kämpfen ehrlich gesagt noch immer damit und haben oft keine geeigneten oder anpassungsfähigen Räumlichkeiten.

Wir haben festgestellt, dass es immer noch oft „Stadtzentrum“ oder „Wissenschaft“ oder „neugegründete Gemeinschaften“ lautet. Wir sehen gutes Coworking in Wissenschaftszentren, in denen Leute zusammenkommen, um Unternehmen rund um Biotechnologie und ähnliches zu gründen.

Medusa ist jetzt Teil von Yardi. Was steckte hinter dieser Übernahme?

Wir hatten eine Partnerschaft mit Wun Systems, das 2017 von Yardi übernommen wurden. Wun Systems ist ein führender Entwickler von Coworking-Software mit ihrer Plattform Kube. Yardi erwarb PBL (das Unternehmen hinter der Medusa-Plattform) im April 2018 als weiteren Teil des strategischen Puzzles, um eine vollständig angebundene End-to-End-Plattform für flexibles Workspace-Management bereitzustellen.
Unter dem Dach von Yardi haben wir Zugang zu einem viel größeren Pool an Entwicklern und Technologien, um das Innovationstempo auf globaler Ebene für Eigentümer/Betreiber und Serviceanbieter flexibler Arbeitsumgebungen zu erhöhen.

Welche Rolle spielen Sie jetzt bei Yardi?

Meine Aufgabe für Yardi wird es sein, das Konzept einer einzigen Plattform auf den europäischen Markt für Coworking und flexiblen Workspace zu bringen, mit der Kapazität eines sehr großen Unternehmens. Yardi bringt in großen Unternehmen bewährte Praktiken und Aktivitäten ins Coworking.

Das macht es für Investoren einfacher. Wir sehen, dass Leute, die in Coworking anlegen, im Allgemeinen Investoren mit einem sehr einfachen Blick auf die Welt sind. Eine ihrer Anforderungen ist ihr Vertrauen in das, was sie finanzieren, und eine gute Berichterstattung – sie möchten wissen, wie es läuft.

Ich habe bereits in vielen Branchen gearbeitet und in den Anfangsphasen gibt es immer viele Leute, die dasselbe Produkt immer wieder neu erfinden. Einige Produkte überleben und andere bleiben auf der Strecke. Man kann das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Es werden nicht die Erwartungen jener erfüllt, die in Zukunft mehrere Millionen Dollar in Coworking investieren wollen.

Yardis umfassendes Angebot an Workspace-Managementlösungen sagt viel über die Branche aus und wohin das alles führen wird.

Es gibt jetzt eine Definition von Coworking als Anlageklasse. Es ist ein Teil des Mixes von gewerblichen Immobilienleuten, die eine Reihe von Immobilien haben – einige davon langfristig, andere nur kurzfristig vermietet und einige davon entsprechen Coworking als jetzt definierbare Anlageklasse.
Yardi betrachtet Coworking als Teil des Mixes der Anlageklassen. Ihre Kunden wollen, dass sie eine Lösung für alle Arten der Nutzung von Immobilien bieten. Sie wollen ihre Kunden bedienen können. Entscheidend ist, dass sich Coworking zum Kerngeschäft des Unternehmensangebots entwickelt hat.

Eine der aufschlussreichsten Erkenntnisse bezüglich der Übernahme durch Yardi ist zu hören, wie zukunftsweisend die Gespräche unter den Leuten sind, die gewerbliche Immobilien auf der ganzen Welt besitzen.
Für das Coworking ist das gut. Coworking muss nicht mehr gerechtfertigt werden. Sie können so individuell und so gemeinschaftsorientiert sein, wie Sie nur möchten, und die Kunden kommen zu Ihnen, wenn Sie eine tolle Umgebung und inspirierende Gemeinschaft haben. Die Zeiten, in denen man erklären musste, was Coworking ist und warum man es tut, gehören langsam der Vergangenheit an.

Coworking kann wirklich mehr Lebendigkeit in traditionelle Immobilien bringen.

Wenn Sie ein Gebäude mit 10 oder 20 Stockwerken haben, ist es eine gute Idee, einen Mix verschiedenster Räumlichkeiten anzubieten. Coworking in einer Immobilie bringt viele Vorteile – eine Erhöhung der Kundenfrequenz, mehr Lebendigkeit im Gebäude und ein Stimulus für mehr körperliche Bewegung. Es gibt Tausende von kleinen Vorteilen, Räumlichkeiten für Coworking anzubieten, und die Leute verstehen das jetzt.

Für erfolgreiche Workspace-Betreiber sind es gute Zeiten. Für wirklich gute Betreiber sollte ein angemessener Betrag zur Verfügung stehen. Die meisten Investoren investieren in Menschen.
Die Fortsetzung des Interviews finden Sie hier.

 


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